Hallo zusammen
Zur Zeit schreibe ich meine Diplomarbeit im Bereich Automatisierung einer visuellen Endkontrolle. Dazu bräuchte ich Hinweise/ Literaturverzeichnisse o.ä. bzgl. Prozeßsicherheit von manueller Sichtprüfung. Wir haben etwas gehört, dass "jedes zu prüfende Teil 7 mal kontrolliert werden muß, um eine 100 %-ige Sicherheit zu haben, dass das Teil i.O. bzw. n.i.O ist". Kennt jemand Bücher, URLs oder sonstiges, die uns diese These belegen?
Vielen Dank für Ihre MithilfeErgänzung:
Es kann sein, das die These nicht ganz korrekt ist; wir bräuchten nur etwas, wo wir nachlesen können, was nötig ist, um eine 100 %-ige Sicherheit zu haben. Vielleicht gib es einen Katalog zur Prozeßsicherheit von manuellen Sichtprüfungen...
Nochmals Danke
Gruß
Thomas
geändert von - QMDiplom on 09/02/2006 08:56:51
Antworten:
Hallo QMDiplom,
was ich dir sagen kann ist, dass die FMEA-Bewertung der Entdeckungswahrscheinlichkeit für Sichtprüfungen eine 8 ist (nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des FMEA-Handbuchs der QS-9000). In Anbetracht dessen, dass bei FMEA´s von 1 (gut) bis 10 (schlecht) bewertet wird, ist das Vertrauen der Automobilhersteller in Sichtprüfungen wohl nicht besonders hoch.
Ich hoffe, Dir wenigstens ein bißchen geholfen zu haben.
Gruß, Steve
Hallo Steve
Vielen Dank. Werde mal schauen, ob wir hier in der Firma deine angegebene Literatur haben.
Gruß
Hallo nochmal
Leider konnte die von Steve angegebene Literatur mir nicht so gut weiterhelfen. Ich bräuchte Unterlagen, aus denen hervorgeht, was alles nötig ist, um die angesprochene Prüfung "sicher" zu machen.
Gruß Thomas
Sag' mal, Thomas,
was ist bei Dir "100% sicher"? Wie viel PPM Durchschlupf darf's denn sein? Wenn Du das definiert hast, kannst Du den Durchschlupf einer einfachen Sichtprüfung abschätzen (ich würde mal so 1% ansetzen) und zu multiplizieren anfangen. Ist aber aus zwei Gründen Bullshit:
- Was einmal durchrutscht, rutscht auch noch mal durch. 1., weil alle auf die gleiche Stelle gucken und 2. weil die Aufmerksamkeit nicht sehr hoch ist, wenn man weiß, daß schon 3 Nasen vorher dran waren.
- Niemand läßt je öfter als zweimal Sichtprüfen. Normalerweise reicht entweder eine Sichtprüfung oder das ganze wird automatisiert. Vorzugsweise natürlich sichert man den Prozeß ab, aber ich wiederhole mich....
Die Fragestellung hat also mit der Praxis überhaupt nichts zu tun. Vielleicht weiß das aber Dein Professor nicht....
Schöne Grüße
Frank Hergt
Sorry, aber so ganz kapiere ich die Frage nicht.
Du willst die Endprüfung automatisieren (also z.B. Kamera); was interessiert dich dann der Durchschlupf bei einer "menschlichen" Endprüfung ?
Oder brauchst du das als Basis zur Berechnung der möglichen Verbesserung oder zur Amortisation ?
Oder was meinst du mit "Automatisierung einer visuellen Endkontrolle" ?
Und die nächste Frage ist: Was für Kriterien werden geprüft nach welchen Anforderungen ?
Hallo Frank
Vielen Dank für Deine Anmerkung. Bei uns geht es darum, Rechtfertigungen für eine automatisierte Oberflächeninspektion zu finden. Hiermit können wir Rechnungen anstellen, bei denen Zahlen von "manueller 100% Kontrolle" entstehen, die dann denen der automatisierten 100% Kontrolle gegenübergestellt werden. Kurz: Ich muß zum Ergebnis kommen, das eine manuelle 100% Prüfung teuerer ist/wird als eine vergleichbare automatisierte Lösung.
Gruß
Thomas
Hallo Harm
Wie im vorigen Artikel kurz beschrieben, dient dies zur Gegenüberstellung. Wir möchten unsere gefertigten metallischen Teile mittels einer automatischen Oberflächeninspektion auf Risse, Lunker, ... prüfen. Dazu muß aber eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gemacht werden.
Und um die Berechnungen "belegen" zu können, brauche ich Literaturstellen, URLs, ...
Danke, Gruß
Thomas
Hallo Thomas,
frag mal in Eurer Reklamations-Abteilung & Buchhaltung nach, wie viel Ihr in den letzten 12 Monaten für Nacharbeit, Verschrottung, etc. gezahlt habt, weil Euch n.i.O.-Teile durchgerutscht sind, die beim Kunden gelandet sind.
Dann kannst Du noch relativ einfach ausrechnen, wie viele Stunden mit der Sichtprüfung verbracht werden (auch bei Eurem jetztigen Prüfen) und wie viel Lohn inkl. Nebenkosten Euch das aktuell kostet.
Um tatsächlich zu untersuchen, wie viel Ihr durch eine Automatisierung spart, bräuchtest Du Angaben dazu, wie viel Durchschlupf *bei Euch* stattfindet - und das in Abhängigkeit von der Prüfhäufigkeit.
Den Durchschlupf kann Dir keine Norm / Literuatur sagen, weil das von den Prüfbedingungen abhängt (was wird wie wo womit wann und mit welchen Hilfsmitteln wie oft geprüft). Das sind schlicht zu viele Einflussmöglichkeiten für pauschale Aussagen.
Viele Grüße
Barbara
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Wenn es keinen Sinn macht, macht es Unsinn.
Hallo Barbara
Vielen Dank für Deinen Beitrag. Deine Anregungen sind hilfreich, nur bräuchte ich Fakten (nicht spezifisch!) die mir belegen, wie eine manuelle Kontrolle aussehen muß, um 100% Sicherheit bei Stahlteilen zu gewährleisten, z.B. dass jedes Teil theoretisch 7 mal geprüft werden muß und der Prüfer nur eine 1/2h arbeiten und dann 10 min Pause machen muss..
Vielen Dank
Gruß
Thomas
Hallo Thomas,
wie ich schon sagte, solche Fakten kann es nicht geben. Selbst unter super-optimalen Prüfbedingungen kannst Du menschliches Versagen niemals ausschließen, d. h. Du kannst durch nichts auf dieser Welt eine absolute 100%-Sicherheit erreichen. Fast 100% geht schon, ein Restrisiko bei der manuellen Prüfung bleibt aber *immer*.
Viele Grüße
Barbara
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Wenn es keinen Sinn macht, macht es Unsinn.
Hallo Barbara
Das ist klar, aber gibt ist nicht sowas wie einen Anforderungskatalog was alles nötig ist, um eine manuelle Prüfung so sicher wie möglich zu machen?
Gruß
Tom
Hallo Tom,
ich hab mal hier über die Suche-Funktion im Forum gesucht und einige interessante Threads gefunden, die Dir vielleicht helfen:
http://www.quality-management.com/forum/topic.asp?TOPIC_ID=1569&FORUM_ID=14&CAT_ID=1&Topic_Title=visuelle+Bewertung&Forum_Title=Qualit%E4tsmanagement+ISO+9001%3A2000
http://www.quality-management.com/forum/topic.asp?TOPIC_ID=2072&FORUM_ID=14&CAT_ID=1&Topic_Title=Sichtpr%FCfung&Forum_Title=Qualit%E4tsmanagement+ISO+9001%3A2000
http://www.quality-management.com/forum/topic.asp?TOPIC_ID=780&FORUM_ID=14&CAT_ID=1&Topic_Title=8D%2DReport&Forum_Title=Qualit%E4tsmanagement+ISO+9001%3A2000
Viele Grüße
Barbara
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Wenn es keinen Sinn macht, macht es Unsinn.
Hallo Barbara
Danke, die Threads sind hilfreich..
Ich habe auch noch etwas in der Firma auftreiben können:
?Bei einer 100%-Prüfung, d.h. bei der Prüfung jeder Einheit eines Loses auf ein bestimmtes Merkmal, ist ein Wirkungsgrad von nahezu 1 bestenfalls durch vollautomatische Sortiermaschinen zu erreichen. Bei einer Sortierung durch Menschen ist mit einem nennenswerten Schlupf zu rechnen. Es wird größenordnungsmäßig damit gerechnet, dass 5 bis 20% der in einem Los enthaltenen fehlerhaften Einheiten nicht gefunden werden. Auch bei der 100%-Prüfung muß man damit rechnen, dass ein Anteil fehlerhafter Einheiten unentdeckt bleibt.?
Sowas bräuchte ich...
Danke
Gruß
Tom
Hallo Tom,
bisher vermisse ich noch den Bezug zu dem was bei der Sichtprüfung entdeckt werden soll. Z.B. in einem Behälter mit lauter Hühnereier ein Straußenein zu finden, wirst du mit einer Hunderprozentprüfung schaffen. Aber wenn du an einem Haltebeschlag für Sicherheitsgurte im Auto prüfen willst, ob an der Kunststoffumspritzung 2 Quadratmillimeter fehlen ist die Sache wieder ganz anders. Ich hoffe, du verstehst, was ich meine. Dies geht auch in deine Berechnungen mit ein.
Gruß msb
Hallo Msb
Wir stellen präzisionsumgeformte Stahlteile aus dem PKW Antriebsstrang her. Bei der Prüfung werden diese auf Risse, Lunker, Überlappungen, Einschmiedungen usw. kontrolliert. Wenn man sich den Durchschlupf betrachtet, zweifelt man etwas.. Die Kontrolleure reißen sich fast die Hände an dem Fehler auf, und dennoch werden die Teile als i.O. gewertet. Daher planen wir eine automatisierte visuelle Sichtprüfung. Um dies durchzusetzen brauch ich die in vorigen Beiträgen aufgeführten Grundlagenbeschreibungen der manuellen Sichtprüfung..
Gruß
Tom
Thomas,
ich finde den Ansatz von Barbara absolut zutreffend :-))
Hast du schon einmal die Personalkosten und die non-quality-costs für ein Jahr den Anschaffungskosten und Wartungskosten so eines Systems gegenübergestellt.
Hast du schon einen Benchmark verfügbarer Systeme durchgeführt und kennst du den Genauigkeitsgrad solcher Systeme ?
Mit allen diesen Fakten kannst du schon mal ne einfache Amortisationsrechnung durchführen.
Und wenn da dann schon ein gutes Ergebnis rauskommt interessiert der Rest einfach nicht mehr.
Nehmen wir den Fall an, dass das System 100% Genauigkeit erreicht und sich nach 2 Jahren amortisiert -> Was interessieren dann noch mögliche Durchschlupfzahlen bei einer manuellen Prüfung ?
Und wie von den anderen auch schon gesagt: Einen pauschalen Wert gibt es da nicht; es spielen einfach zu viele Einflussfaktoren eine Rolle.
P.S. Irgendwie hat das Ganze einen unangenehmen Beigeschmack; wir unterhalten uns hier im Grunde genommen über den möglichen Wegfall von x Arbeitsplätzen :-((
Hallo Harm
Vielen Dank, und mit dem negativem Beigeschmack muß ich dir in Grenzen recht geben. Nur ist es so, dass Unternehmen um global existieren zu können, sich den Weltmarktpreisen anpassen müssen. Daher ist ein Trend in Richtung weiterer Automatisierungen kaum aufzuhalten. Ein kleiner Trost für die Mitarbeiter wird sein, dass die Anlage zunäachst nur vorsortieren soll...
Gruß
Tom
P.S. Wenn ich mich der Sache nicht annehme, wird es ein anderer... Der Prozeß der Automatisierung ist nicht aufzuhalten :-(
Das alles ist mir schon klar und leider ist es wirklich nicht aufzuhalten; trotzdem immer wieder niederschmetternd.
Und aus genau diesem Grund habe ich auch geschrieben, dass sich bei einem guten System und einer niedrigen Amortisationszeit niemand (in diesem Fall die Chefs des Ganzen) sich für irgendwelche möglichen manuellen Durchschlupfraten interessieren wird.
Spart man Geld und ist besser als vorher -> Mensch wech, Maschine rein :-((
Danke. Werde jetzt mal mit meinem Betreuer über die Amortisationsrechnung reden. Ich glaube ihr habt Recht..
Unser Problem wird nun sein, an die Zahlen zu kommen...
Grüße
Tom
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